FC Union Schafhausen 1910 e.V.


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FC Union Schafhausen hilft!

EinTraum
Union Schafhausens Partnerschaft mit dem GP Football Team in Malawi

Schafhausen/Zomba Jahrzehnte der guten Arbeit haben es gezeigt. Die Union kann nicht nur etliche sportliche Erfolge in der älteren und jüngsten Vergangenheit feiern, sondern bietet unzähligen sportbegeisterten Menschen aller Altersklassen ein zu Hause. Insbesondere die konstant gute Jugendarbeit trägt einen großen Teil dazu bei, dass junge Menschen zum einen für den Fußball begeistert werden können, zum anderen aber auch lernen Verantwortung zu übernehmen und soziales Verhalten in einer Gruppe zu entwickeln.

Die jüngsten Projekte machen klar, dass für die Spieler und Fans unserer Seniorenmannschaften soziales Engagement kein Fremdwort ist. Seit zwei Jahren hat der FC Union Schafhausen nun eine Partnerschaft mit einer malawischen Fußballmannschaft aus der ehemaligen Hauptstadt Zomba. Der Kontakt kam zu Stande, als ich (Ingo Jennißen) im Jahre 2007 ein dreimonatiges Praktikum bei einer NGO in dem kleinen Staat im Süd-Osten Afrikas absolvierte und bei der Planung und Durchführung von Menschenrechtsprojekten beteiligt war. Die Jungs vom GP Football Club nahmen mich auf, als hätte ich schon immer dazu gehört. Sehr schnell wurde mir allerdings klar, warum der afrikanische Fußball -nicht gerade arm an Talenten- relativ unerfolgreich ist. Es mangelt besonders an vernünftigem Trainingsmaterial. Mit einem halb aufgepumpten Ball kann selbst der beste Trainer keine 15köpfige Mannschaft fußballerisch weiterentwickeln. Als ich meinen Freunden der ersten Mannschaft über meine Erlebnisse in Malawi und über die miserablen Trainingsbedingungen berichtete, war klar, dass wir etwas unternehmen müssen. So kam es, dass einige Zeit später ein Paket mit zehn Trainingsbällen, Torwarthandschuhen und weiteren Fußballaccessoires in Malawi eintraf. Die Investition trug Früchte und das Team nahm eine positive Entwicklung und konnte in den lokalen Ligen gute Tabellenplätze erlangen.

Durch eine erneute Spende von den Spielern der Seniorenmannschaften, den Amtsinhabern im Verein, und einigen treuen Fans konnte in diesem Jahr sogar die Teilnahme an der Südregion-Meisterschaft in Malawi ermöglicht werden. Mit einem Remis und einer Niederlage ist man in die neue Saison gestartet. Die Offiziellen, mit denen ich im stetigem Kontakt bin, sind sich einig, dass man noch ein wenig Lehrgeld in dieser hohen Klasse bezahlen muss. Das Potenzial sei allerdings vorhanden. Wir sind gespannt wie sich die Jungs schlagen werden.

Was bezwecken wir mit unseren Spenden? Die fußballerische Weiterentwicklung des GP Football Teams in Zomba ist ein wunderbares Nebenprodukt unseres Engagements. Vielmehr schaffen wir jedoch ein 'zu Hause' für junge Menschen, eine sportliche Heimat, wie wir sie beim FC Union Schafhausen gefunden haben. Und diese Heimat gibt den Halt in einer Gesellschaft, in der die Menschen mit Problemen konfrontiert sind, bei denen unsere täglichen Problemchen eine Lachnummer sind.

Wir arbeiten weiter an dieser interkulturellen Partnerschaft und hoffen, dass beide Vereine viel voneinander lernen können. Der Traum von einem Besuch in Malawi oder einem malawischen Besuch in Schafhausen wird wohl aufgrund der hohen finanziellen Barrieren vorerst weitergeträumt werden.

(Ingo Jennißen, 11.07.2009)

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Übergabe des Spendenpakets


Fußball in der vergessenen Republik – Meine Erlebnisse bei den Zomba Lions


(von Ingo Jennißen)

Dass man das Geld in der Mannschaftskasse nicht nur für Bier ausgeben, sondern auch sinnvoll investieren kann, bewies die 1. Mannschaft des FC Union im Sommer 2007 als sie ein Paket mit 10 Trainingsbällen, sowie Torwarthandschuhen an ein Fußballteam im süd-ostafrikanischen Kleinstaat Malawi spendete.

„Magst du Fußball?“ fragte mich Charles Banda, der Fahrer eines alten Toyota Corolla auf der schlecht ausgebauten Straße von Blantyre nach Zomba. Ich saß auf dem Beifahrersitz und versuchte cool zu bleiben, während er gekonnt den Schlaglöchern und dem Gegenverkehr auf der Straße auswich. „Klar“, antwortete ich, „natürlich mag ich Fußball. Und am liebsten spiele ich selber.“ Charles hat mich gerade vom Flughafen in Blantyre abgeholt. Es war mein erster Tag in diesem Land und es war einer der ersten Fragen, die mir gestellt wurden. „Weißt du“, sagte Charles, „hier in Malawi lieben die Menschen den Fußball“

Ich bin Ingo Jennißen, seit 2006 Spieler der 1. Mannschaft des FC Union und Student der Politischen Wissenschaft an der RWTH Aachen.

Wer oder was ist Malawi?
Malawi ist eine kleine Republik im Südosten Afrikas. Die ehemalige britische Kolonie (Njassaland) ist eine für afrikanische Verhältnisse relativ gut funktionierende Demokratie, zählt jedoch leider zu den ärmsten Ländern des Erdballs. Die 13 Mio. Einwohner haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 32,5 Jahren. Diese Zahl lässt sich neben der Armut auch durch die sehr hohe Aidsquote (15-20%) erklären. Hoher Analphabetismus, Gewalt gegen Kinder und Frauen, sowie korrupte Machenschaften in allen Teilen der Gesellschaft sind keine Seltenheit. Ja, die Menschen, die dort leben sind schwarz!

Als ich im Juli, August und September 2007 in Malawi lebte, habe ich dort keinen Urlaub gemacht. Der Grund für diese zugegebenermaßen etwas abenteuerliche Reise, war ein Praktikum bei einer NGO mit dem Namen YONECO. Dies ist eine Entwicklungshilfeorganisation, bei der ich Menschenrechts- und Demokratisierungsprojekte mitgestalten konnte.

Ich bedaure manche Afrika-Touristen, die den ganzen Tag am Pool eines kenianischen 4 Sterne Hotels in einem Liegestuhl verbringen, den sie morgens noch vor dem Frühstück mit dem roten Michael Schumacher Ferrari Handtuch markiert haben. Schließlich muss den Lieben daheim ja eine perfekte Urlaubsbräune präsentiert werden. Um nicht ähnlich rot wie das Handtuch zu werden, ist regelmäßiges eincremen mit Sonnenschutz unumgänglich. Sicherlich auch eine Möglichkeit eine schöne Zeit in Afrika zu verbringen. Hier muss man diese Leute aber verstärkt darauf hinweisen, dass sie den wahren Schatz Afrikas wohl noch nicht entdeckt haben. Dieser ist nämlich nicht die Sonne, sondern sind die
Menschen.
Erst wenn man unter ihnen lebt, erschließt sich einem dieser Schatz. Glücklicherweise ist mir dieses Glück widerfahren. Ich lebte drei Monate bei zwei Malawiern in einem Bungalow in Zomba Matawale, einer Gegend, in der der Anblick eines Mzungus (Bezeichnung für den „Weißen Mann“ auf Chichewa und Suaheli) äußerst selten ist. In diesen Tagen, in denen ich das afrikanische Lebensgefühl ungefiltert in mich aufsaugen konnte, faszinierte mich vor allem eines: Trotz der Probleme und Gefahren, gegen die diese Menschen dort tagtäglich ankämpfen, haben sie eine unbeschreibliche Lebensfreude.

Und eine Sache verbindet alle:
Jeder ist hier verrückt nach Fußball!

Als ich erwähnte, dass ich aus Deutschland komme, erkundigten sich viele nach der WM 2006 und versuchten einige Spieler unserer DFB Elf aufzuzählen…Laehm,…Podo…Podoolsky,…Ballack…Michael Ballack. Klar, den kennen sie alle, da er ja bei Chelsea spielt. Der gemeine malawische Fußballfan interessiert sich nicht für die heimische Liga und das Nationalteam. Grund dafür ist wohl chronische Erfolglosigkeit. Fan ist man hier von Arsenal London, Chelsea, ManU oder Liverpool. Die englische Premier League wird nämlich auch im malawischen Fernsehen gezeigt. Die ehemaligen Kolonialisten haben also auch in der Fußballkultur Spuren hinterlassen. Deutsche Vereine sind nur dann bekannt, wenn sie mal in der Champions League gespielt haben. Bayern München und Köln kennt zum Beispiel jeder. Moment mal! Köln?? Champions League? Es hat wohl mal vor ein paar Jahren ein malawischer Spieler für den 1. FC gekickt. Den Namen habe ich leider vergessen. Ich habe dann in einem Anfall von Subjektivität erklärt, dass diese beiden Vereine in Deutschland sehr unbeliebt sind. Die Bayern, weil sie so erfolgreich und steinreich sind und Köln, weil...weil es eben Köln ist.

Bei all dem Gerede über die Welt des Fußballs fragte mich ein Kollege plötzlich, ob ich nicht Lust hätte, ein Team zu trainieren, das er früher mal gecoacht hat. Schließlich spiele ich Fußball bei einem deutschen Verein. Dass es sich dabei um die FC Union Schafhausen, also lediglich einem soliden Kreisligaverein handelt, schien ihn nicht zu stören. Die Tatsache dass der Rasen auf dem Mannschaftsfoto der Union, welches ich ihm zeigte, grün war und wir Trikotwerbung haben, qualifizierte mich bereits als Halbprofi. Natürlich habe ich da nicht
Nein gesagt und stand nur wenige Tage später auf einem „Sportplatz“. Na ja, eine Ansammlung von Staub, Dreck mit vereinzelten Grashalmen, vertrockneten Wurzeln und Unkraut ist wohl eine bessere Beschreibung des Geländes. Da es leider nur 1 ½ Bälle (einer war platt) und ca. 20 Spieler gab, gestaltete sich das Training auf dem beschriebenen Untergrund, den wir uns zudem mit einem anderen Team teilen mussten, etwas schwierig. Unglücklicherweise lag der Platz genau zwischen zwei Stadtteilen und wurde von den Bürgern gerne als Transitstrecke benutzt. Auch wenn dort ein Spiel ausgetragen wird, bestehen die Leute auf ihre Abkürzung. Dann muss man eben um die Fußgänger herum spielen, auch wenn sie gerade umziehen und ein Sofa oder einen Tisch auf dem Kopf tragen. Die Markierungen und Linien auf dem Platz sind imaginär, die Tore werden aus drei verrosteten Eisenstangen zusammengebaut und mit Steinen in einem Bodenloch befestigt.
Nach dem ersten Training durfte ich am folgenden Sonntag bereits mein erstes Meisterschaftsspiel bestreiten. Relativ unkompliziert bekam ich eine Spielberechtigung in Papierform, auf der man meinen malawischen Vornamen „Ingoma“ eintrug und ein ausgeschnittenes Foto klebte. Fertig ist der Spielerpass.

Wie zu erwarten war, verfügten meine Jungs über eine sehr ausgeprägte Technik und waren sehr geschickt mit dem Ball. Allerdings, und das ist das Problem des afrikanischen Fußballs, hört es dann schon auf. Von taktischen Dingen und Laufwegen ohne Ball hat man anscheinend noch nicht viel gehört. Das Spiel ist bedeutend langsamer (ja, noch langsamer!) als bei uns, da die Platzverhältnisse ein schnelleres kaum zulassen und jeder seine Kunststückchen am Ball machen muss. Das ist manchmal zum verzweifeln. Ein schnelles Kurzpassspiel mit Begrenzung der Ballkontakte ist aufgrund der beschriebenen Trainingsbedingungen auch kaum zu üben.

Mein schönstes Erlebnis war übrigens ein Auswärtsspiel in Liwonde, wo wir auf einen Sportplatz im berühmten National Park ausweichen mussten. Leider hatte ich meine Kamera nicht mit, als eine Herde Paviane beleidigt den Platz räumen musste, als wir dort unser Spiel austragen wollten. Der Haufen Elefantenkot auf der Mittellinie trug einiges zur allgemeinen Heiterkeit bei. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn ein Geier über einem kreist, während man in einem Nationalpark Fußball spielt, indem auch Löwen frei herumlaufen. Ebenfalls kurios war, dass einige der Jungs barfuss spielten und dass die ausgeleierten Stutzen mit Gummis befestigt wurden. Nichts Besonderes. Aber während wir hier Einmachgummis nehmen würden, behilft man sich in Malawi mit Präservativen.

Als ich den schafhausener Jungs von meinen Fußball-Erlebnissen in Malawi berichtete und über die miserablen Trainingsbedingungen informierte, entschloss man sich, auf Kosten der Mannschaftskasse, ein Paket mit Trainingsbällen und Torwarthandschuhen an das Team von Government Print (Zomba Lions) zu spenden. Vielen Dank, Jungs. Eine starke Geste.

Leider hat das Paket Zomba erst erreicht, als ich schon wieder in Deutschland war. Nachdem es noch einige Monate an der malawischen Zollbehörde lagerte, konnten das Team Anfang Januar 2008 die Bälle endlich entgegen nehmen. Strahlende und glückliche Gesichter entschädigen für den Ärger mit den örtlichen Behörden. In Zomba hat sich derweil herumgesprochen, dass das Team mit ganz neuen Bällen aus Deutschland spielt, weshalb der Sportplatz am nächsten Spieltag von zahlreichen neugierigen Fußballfans besucht wurde. Die ersten Resultate und Ergebnisse mit den neuen Sportgeräten lassen positiv in die Zukunft blicken. Ich garantiere, dass in dieser Liga sonst keine andere Mannschaft mit Torwarthandschuhen spielt.

Es geht hier aber nicht einfach nur um Fußball. Man sollte nicht vergessen, dass Sport und insbesondere Fußball ein altbewährtes Instrument der Entwicklungshilfe ist. Vielen Kindern und Jugendlichen wird so ein Lebensinhalt geschenkt, der zuvor meist „auf der Straße“ zu finden war.

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